Mittwoch, 16 Mai 2018 13:30

    Bunte Drops und lustige Bärchen mit Vitaminen: nützlich oder überflüssig?

    Jedes zehnte Kind bekommt täglich Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel, einige sogar beides.

    Die Produkte wie Gummidrops, Lutsch- oder Kautabletten vermitteln den Eindruck, dass sie die Abwehrkräfte stärken oder die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Was ist dran an den Versprechungen? Die Verbraucherzentralen haben 26 Nahrungsergänzungen auf Zusammensetzung und Werbeaussagen geprüft. Das Ergebnis: Die Mittel sind meist zu hoch dosiert, was zu unerwünschten Wirkungen führen kann. Zudem sind sie überflüssig und häufig sehr teuer.
    Kinder haben, was Essen und Trinken angeht, oft ihren eigenen Kopf. Aussagen wie ‚Gemüse – nein, das mag ich nicht‘, sind keine Seltenheit. „Getrieben durch die Werbung der Hersteller sind Eltern schnell in Sorge, dass der Nachwuchs zu wenig Nährstoffe aufnimmt, kränkelt oder in der Schule nicht mitkommt“, so Ernährungsexpertin Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Deshalb greifen viele Eltern zu Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder.“
    Der Marktcheck zeigt: Nachteile überwiegen
    Bei 85 Prozent der Produkte lag mindestens eines der Vitamine oder einer der Mineralstoffe über dem Referenzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für 4- bis 7-Jährige. Mehr als die Hälfte der Produkte überschritt sogar die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, oder sie lagen an der Grenze. Besonders kritisch: Diese Höchstmengen sind für Personen ab 15 Jahren angelegt. Problematisch wird eine Höchstmengenüberschreitung zum Beispiel bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A und D. Der Körper kann diese Vitamine anreichern, was sich mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit negativ auf die Gesundheit auswirkt.
    Der Gesetzgeber sollte verbindliche Höchstmengen für Nährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festlegen und dabei die spezifischen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen: „Vor dem Hintergrund des Vorsorgeprinzips sind aus Sicht der Verbraucherzentralen bis zu einer solchen verbindlichen Regelung Nahrungsergänzungsmittel für Kinder keine ausreichend sichere Produktgruppe“, sagt Umbach. Vor allem Produkte in Form von Bonbons oder Bärchen bergen die Gefahr, mit Süßigkeiten verwechselt und in größeren Mengen verzehrt zu werden. Außerdem schlagen die Nahrungsergänzungsmittel, die der Marktcheck unter die Lupe genommen hat, mit bis zu 500 Euro pro Kind im Jahr zu Buche – ohne erwiesenen Nutzen.
    Auf den Verpackungen fanden sich zahlreiche gesundheitsbezogene Angaben. Nur wissenschaftlich geprüfte und zugelassene Aussagen dürfen verwendet werden. Die vorgefundenen waren zwar überwiegend zulässig, vermitteln dennoch oft ein falsches Bild: Anbieter formulierten die gesundheitsbezogenen Angaben um, indem sie Worte hinzufügten, oder wegließen. Dadurch wird die Wirkungsaussage aus Sicht der Verbraucherzentrale unzulässig verstärkt. „Diese Aussagen sollten von der Lebensmittelüberwachung oder gerichtlich geprüft werden“, so Umbach.
    „Eltern müssen besser über Risiken aufgeklärt werden, die durch die Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auftreten können. Kinder benötigen solche Produkte in der Regel gar nicht. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft sind und bleiben die Voraussetzung für eine gute Entwicklung der Kinder“, empfiehlt Umbach.
    Der ausführliche Ergebnisbericht ist nachzulesen im Internet unter
    www.verbraucherzentrale-rlp/kinder-nem




    Quelle Text/Bild:
    Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.
    Fackelstraße 22,
    67655 Kaiserslautern

    www.verbraucherzentrale-rlp.de / www.twitter.com/vzrlp / www.facebook.com/vzrlp

    Kaiserslautern, 16.05.2018

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