Kein Aprilscherz: Die Feuerwehren der Stationierungskräfte der US-Streitkräfte in Deutschland haben die Arbeit niedergelegt und treffen sich am 1. April zu einem gemeinsamen Streiktag im fränkischen Ansbach. Auch ein Bus mit einer Delegation aus Rheinland-Pfalz wird mit ca. 40 Personen vor Ort sein, berichtet die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Die Beschäftigten wollen so auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen: veraltete Tarifverträge, Niedriglöhne trotz Höchstleistungen und mangelnde Anerkennung ihrer Arbeit. Auch die amerikanische Ausbildung wird bislang nicht anerkannt, so dass die Kolleginnen und Kollegen bei einem möglichen Truppenabzug als ungelernte Arbeitnehmer*innen auf den Arbeitsmarkt müssen. Die Gewerkschaft fordert dringende Verbesserungen – doch der Arbeitgeber zeigt sich unbeeindruckt. Besonders bitter: Während die USA ihre Feuerwehrleute in der Öffentlichkeit als Helden feiern, werden sie hier vor Ort mit Hungerlöhnen abgespeist.
Die Forderungen: Ein gerechter Lohn für Lebensretter
„Unsere Kolleginnen und Kollegen riskieren täglich ihr Leben – und das für einen Lohn, der teilweise kaum über dem Mindestlohn liegt“, kritisiert Susanne Schäfer, zuständige Gewerkschaftssekretärin bei ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland. Doch diese Forderungen sind nur der Anfang: „Wir wollen nicht nur kurzfristige Verbesserungen, sondern grundlegende Änderungen, die die Arbeit der Feuerwehrkräfte endlich wertschätzen“, betont die Gewerkschafterin.
Der aktuelle Tarifvertrag (TVAL 2, Anhang P), der die Arbeitsbedingungen der Feuerwehren regelt, wurde zuletzt 2006 überarbeitet. Seitdem hat sich wenig geändert: Die Beschäftigten erhalten einen Pauschallohn, in dem Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit bereits enthalten sein sollen. Diese herausgerechnet bleibt oft nur ein Hungerlohn – in manchen Lohngruppen sogar unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns.
Arbeitsbedingungen: 256 Stunden im Monat, Einsatz bis 67
Die Arbeitsbelastung der Feuerwehrleute ist enorm: Mit 256 Arbeitsstunden im Monat leisten sie weit mehr als die meisten Berufsgruppen. Dennoch sollen sie bis zum Alter von 67 im Einsatzdienst bleiben – sogar unter Atemschutz in brennende Gebäude gehen, um Menschen zu retten. „Das ist mit der G26.3, der Tauglichkeitsuntersuchung für Atemschutzgeräteträger, kaum vereinbar, denn die arbeitsmedizinische Untersuchung prüft genau diese Belastbarkeit – und im Alter von 67 Jahren dürfte sie bei vielen nicht mehr gegeben sein“, bemängelt Schäfer.
Ein weiterer Schmerzpunkt: Die Feuerwehrkräfte sind nach dem weltweit anerkannten Standard der National Fire Protection Association (NFPA) ausgebildet. In Deutschland wird diese Qualifikation jedoch nicht anerkannt. Verlieren die Beschäftigten ihren Job, gelten sie hierzulande als ungelernt – ein Unding angesichts ihrer Expertise und Verantwortung.
Ramstein Airbase: Verantwortung ohne Wertschätzung
Besonders deutlich wird diese Problematik bei der Flughafenfeuerwehr der Ramstein Airbase. Die Kolleg*innen dort sichern nicht nur den Betrieb eines der größten militärischen Flugplätze der Welt, sondern sind auch für die Sicherheit tausender Menschen verantwortlich – von Soldaten über Zivilisten bis hin zu hochrangigen Delegationen. „Ein Flugzeugbrand, eine Evakuierung, ein medizinischer Notfall – wir sind in Minuten da und tragen immense Verantwortung. Doch unser Lohn spiegelt das nicht wider“, schildert ein Feuerwehrmann vor Ort.
Helden nur auf dem Papier?
In den USA genießen Feuerwehrleute einen nahezu mythischen Status: Sie werden als selbstlose Helden gefeiert, die in Filmen und Serien verewigt werden. Doch die Realität bei den US-Streitkräften in Deutschland steht in krassem Gegensatz dazu. „Die Amerikaner setzen ihre Feuerwehrleute auf ein Podest – aber hier behandeln sie uns wie Wegwerfkräfte“, klagt ein Streikender. Dieser Widerspruch zwischen Image und Wirklichkeit treibt die Wut der Beschäftigten an.
Arbeitgeber blockiert – Gewerkschaft fordert Handeln
Während die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) eindringlich auf die Missstände hinweist und schnelle Lösungen einfordert, sieht der Arbeitgeber keinen Handlungsbedarf. „Das ist inakzeptabel“, betont Susanne Schäfer und weiter: „Wer Leben rettet, darf nicht für den Mindestlohn arbeiten – schon gar nicht, wenn er von einem Land angestellt wird, das seine Feuerwehrkräfte als Helden verehrt. Die aktuellen Forderungen sind nur der erste Schritt. Wir brauchen eine grundlegende Reform, die diesen Beruf endlich aus dem Schattendasein holt.“
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Quelle Text/Bild:
ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland
Münsterplatz 2-6
55116 Mainz
www.verdi.de
Mainz, 31.03.2025